Für alle Patientinnen, die eine wesentliche Formveränderung der Brust nach der Operation beobachten müssen, bietet sich die Möglichkeit der Rekonstruktion. Diese Maßnahmen werden von den Krankenkassen bezahlt. Die Methoden sind vielgestaltig und müssen individuell eingesetzt werden. In Deutschland sind es im wesentlichen die operierenden Frauenärzte (Senologen) die eine plastische Rekonstruktion anbieten. Hier liegt ein Unterschied zum Ausland. Traditionell behandeln dort die Chirurgen die Brust. Eine Brustkorrektur kann also von einem spezialisierten Frauenarzt oder einem plastischen Chirurgen angeboten werden.
Hierzu wird ein Kunststoffballon unter die Haut der operierten Brust gelegt. Durch Auffüllen mit Kochsalzlösung vergrößert sich das Reservoir und dehnt so die Haut. Nach einigen Monaten wird dieser Expander entfernt und eine Kunstprothese, meist aus Silikon, eingesetzt. Es gibt aber auch Kochsalzprothesen. Einige Firmen bieten Expander an, die nicht entfernt werden müssen. Im Rahmen der Operation wird die untere Brustfalte hergestellt. Die Brustwarze kann später rekonstruiert werden.
Ein großer, flächiger Muskel des Rückens dient hierbei zur Rekonstruktion. Der Vorteil liegt in der guten Durchführbarkeit und der Sicherheit der Operation. Die Menge an Eigengewebe reicht oft nicht aus, die Wiederherstellung komplett zu erreichen. Gelegentlich braucht der Operateur noch Kunstmaterial, wie Prothesen. Nach der Entnahme auf dem Rücken wird das Gewebe unter der Achselhaut nach vorn verpflanzt.
Unter dem Bauchnabel befindet sich in der Regel ein Haut-Fettgewebsanteil, auf den die Patientin gern verzichten möchte. Dieser Gewebeüberschuss kann durch eine besondere Operation an einem der geraden Bauchmuskeln hängend präpariert werden. Der Muskel wird mit dem Gewebe um 180 Grad gedreht und das Gewebe so nach oben gebracht. Die Operation ist schwierig und erfordert eine sorgfältige Auswahl der Patienten. Sie kann also nicht immer gemacht werden. Alternativ kann in Zusammenarbeit mit den plastischen Chirurgen eine Gewebeverpflanzung ohne den Muskel gemacht werden.
Unter dem Mikroskop werden die Blutgefäße des Bauchgewebes an eine Ader aus dem Zwischenrippenraum angenäht. Die aufwendige Operation beherrschen nur wenige Spezialisten.
In der Praxis der Brustoperationen ist es immer nötig, zu entscheiden, ob man die Brust schon bei der ersten Operation wieder aufbaut oder ob man das später macht. Die Entscheidung ist abhängig von der Art der ersten Operation und von der Entscheidung der Patientin. Oft sind die Betroffenen von der Diagnose Krebs so überfordert, dass der Arzt die Rekonstruktion erst später besprechen kann. Es ist dabei nämlich sehr wichtig, dass der Patient auch sehr genau versteht, was bei einer plastischen Operation gemacht wird und welche Risiken bestehen. Dem zweizeitigen Vorgehen, also erst die Krebsoperation und einige Monate danach die Rekonstruktion, ist oft der Vorzug zu geben. Es ermöglicht der Patientin auch im Abstand zur Primärtherapie auf eine erneute Operation zu verzichten. Eine Reihe von Brustkrebspatienten finden die Veränderung an ihrem Körper viel weniger schlimm als sie es sich erst vorgestellt haben. In diesen Fällen verzichten einige Frauen auf eine Wiederherstellung. Wir sehen hier einen Vorteil zugunsten der freien Patientenbestimmung.