St. Anna-Klinik

Akustikusneurinom

Das Akustikusneurinom ist ein veralterter, aber noch gebräuchlicher Begriff für ein Vestibularisschwannom. Dies ist ein aus Bindegewebe und Nervengewebsfasern bestehender gutartiger Tumor im Bereich des Hör- und Gleichgewichtsnervens. Er geht von den sogenannten Schwann’schen Zellen aus. Dies sind Zellen, welche jede einzelne Nervenfasern umgeben und schützen.

Vestibularisschwannome treten typischerweise im Bereich des inneren Gehörganges oder im Bereich des sogenannten Kleinhirnbrückenwinkels auf. Symptomatisch werden die Vestibularisschwannome in der Regel durch eine einseitige Hörminderung, durch Ohrgeräusche (Tinnitis) oder Gleichgewichtsstörungen und Schwindelanfälle.

Die Diagnose kann eindeutig mit Hilfe einer Magnetresonanztomographie (MRT) gestellt werden. Teilweise werden durch eine MRT des Schädels auch zufallsbe-fundliche Vestibularisschwannome entdeckt, welche noch nicht symptomatisch sind.

Sehr selten können Vestibularisschwannome auch bds. auftreten. Dies kann insbesondere bei einer genetischen Erkrankung - der sogenannten Neurofibromatose - auftreten.

Aufgrund des in der Regel langsamen Größenwachstums des gutartigen Tumors wird bei Entdeckung eines noch kleinen Vestibularisschwannoms, bei gut erhaltenem Hörvermögen oder bei älteren Patienten, oft zunächst eine abwartende Haltung eingenommen und eine etwa halbjährliche MRT-Kontrolle in später größer werdenden Intervallen von 1 – 2 Jahren durchgeführt. Hierdurch kann die Wachstumstendenz (Wachstumsdynamik) des Tumors erfasst werden.

Da die Therapie eines großen Vestibularisschwannoms jedoch risikoreicher und oft schwieriger ist als bei kleinen Tumoren, sollte auch nicht zu lange gewartet werden, vor allem, wenn das Hörvermögen auf der betroffenen Seite bereits stark eingeschränkt ist, ein hoher Leidensdruck durch den Schwindel und Gleichgewichtsstörung vorliegt oder der Tumor eine schnelle Wachstumstendenz aufweist.

Hierbei stehen in erster Linie die Chirurgie und die Strahlentherapie zur Verfügung. Vor allem bei jüngeren und gesunden Patienten wird die operative Sanierung durch die Neurochirurgie und die HNO-Klinik bzw. durch ein interdisziplinäres Operationsteam oft vorgezogen. Hierbei ist eine komplette Entfernung des Tumors in der Regel sicher zu erreichen und es sind keine Langzeitschäden, wie etwa durch Strahlentherapie, zu erwarten. Wenn noch nicht vorbestehend, bedingt die OP jedoch ein höheres Risiko zum einseitigen Hörverlust.

Eine gute Alternative, vor allen Dingen bei älteren Patienten oder Patienten mit Vorerkrankungen, bietet die Strahlentherapie. Aufgrund der geringeren Lebenserwartung ist bei älteren Patienten eine Langzeitschädigung durch die Strahlentherapie nicht zu erwarten. Auch bei Tumorresiduen nach Strahlentherapie ist, aufgrund des langsamen Tumorwachstums, mit einem erneuten Interventionsbedarf nicht zu rechnen.

Auch jüngere Patienten entscheiden sich teilweise für die Strahlentherapie, da hier das Risiko der Ertaubung geringer ist.

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Petrus-Krankenhaus